Wie greifen einzelne Logistikprozesse ineinander? Welche Rolle spielen Automatisierung und Digitalisierung? Und welche Kompetenzen braucht es künftig im Supply Chain Management? Diesen und weiteren Fragen gingen die Studierenden des Berufs- und Weiterbildungszentrum Buchs (BZBS) am 10. September 2026 bei einem Praxisbesuch bei den Logistikkönnern der Liechtensteinischen Post nach.
Im Rahmen des Studiengangs NDS HF Supply Chain Management erhielten die Studierenden einen Einblick in unsere täglichen Abläufe und konnten erleben, wie moderne Logistikprozesse in der Praxis funktionieren. Begleitet wurden sie vom Studiengangleiter Alexander Congiu und der Kursleiterin Christine Heeb-Oehri.

Wenn Theorie auf Praxis trifft
Supply Chain Management umfasst weit mehr als die Organisation einzelner logistischer Abläufe. Entscheidend ist das Zusammenspiel der gesamten Prozesskette, von der Beschaffung über Lagerung und Verarbeitung bis hin zur Auslieferung.
Genau hier setzen Praxisbesuche wie jener bei den Logistikkönnern an. Sie ermöglichen den Studierenden, theoretisches Wissen mit realen Prozessen zu verbinden. Alexander Congiu, Leiter Bereich Technik beim BZBS, bringt es auf den Punkt: «Supply Chain Management versteht man nicht nur im Schulzimmer. Man muss Prozesse dort erleben, wo sie täglich funktionieren müssen.»
Der Studiengang NDS HF Supply Chain Management richtet sich insbesondere an Fach- und Führungskräfte mit Berufserfahrung, die sich in den Bereichen Einkauf, Beschaffung, Produktion, Logistik oder angrenzenden Unternehmensbereichen weiterentwickeln möchten. Ziel ist es, Lieferketten nicht nur operativ zu begleiten, sondern sie ganzheitlich zu verstehen, zu gestalten und zu optimieren.
Der Besuch im Logistikcenter Schaan hat mittlerweile Tradition und findet nahezu jährlich statt. Organisiert und geleitet wurde die Führung von Sascha Boltizar, Senior Kundenberater Kontraktlogistik bei der Liechtensteinischen Post. Für ihn war der Besuch auch persönlich besonders: Er hat denselben Studiengang in den Jahren 2023/2024 selbst erfolgreich absolviert.
Logistikprozesse direkt vor Ort erleben
Nach einer kurzen Begrüssung und einer kleinen Stärkung startete die Gruppe ihren Rundgang durch das Logistikcenter Schaan. Den Anfang machte die Postlogistik, wo die Studierenden einen Blick hinter die Kulissen der Briefsortierung werfen konnten.
Dabei wurde sichtbar, wie viele einzelne Arbeitsschritte, Technologien und Mitarbeitende zusammenspielen müssen, damit Sendungen zuverlässig ihren Weg zu den Kundinnen und Kunden finden. Gerade Themen wie Automatisierung, Digitalisierung, Prozessoptimierung und der Umgang mit schwankenden Mengen lassen sich in einem realen betrieblichen Umfeld besonders anschaulich vermitteln.
Für Alexander Congiu liegt darin ein wesentlicher Mehrwert solcher Besuche: «Die Studierenden können theoretische Inhalte mit realen Abläufen verknüpfen, Fragen stellen und sehen, wo die Herausforderungen im täglichen Betrieb tatsächlich liegen.»
Fulfillment hautnah: Vom Wareneingang bis zur Retoure
Anschliessend ging es weiter in den Fulfillment-Bereich der Logistikkönner. Hier lernten die Studierenden die einzelnen Prozessschritte kennen: vom Wareneingang über den Umschlagsplatz und die Einlagerung im Hochregal- und Kleinteilelager bis hin zur Kommissionierung und zum Retourenmanagement.
Besonders interessant war für viele die grosse Vielfalt an Kunden und Produkten. Ob DIY-Produkte, Kosmetikartikel oder andere Warengruppen: Im Fulfillment müssen unterschiedlichste Artikel und Anforderungen effizient abgewickelt werden. Da viele Teilnehmende selbst in Industrieunternehmen tätig sind und eher mit standardisierten Produkten arbeiten, bot diese Vielfalt einen spannenden Einblick in die Herausforderungen der Kontraktlogistik.
Was moderne Logistik heute leisten muss
Logistikprozesse stehen heute vor vielfältigen Anforderungen. Hohe Sendungsmengen müssen effizient verarbeitet werden, Prozesse müssen auch unter Zeitdruck zuverlässig funktionieren und gleichzeitig flexibel genug sein, um auf Veränderungen reagieren zu können.
Ein besonders intensiv diskutiertes Thema während der Führung war die Digitalisierung. Die Studierenden interessierten sich unter anderem für den Automatisierungsgrad der Logistikkönner und mögliche zukünftige Lösungen wie AutoStore-Systeme. Dabei wurden auch Vergleiche mit grossen E-Commerce-Unternehmen gezogen. Gleichzeitig stiessen das bestehende Zonen-Picksystem und die digitalen Lösungen der Liechtensteinischen Post auf grosses Interesse. Die Diskussionen zeigten, wie wichtig es ist, Prozesse laufend zu hinterfragen und technische Möglichkeiten sinnvoll einzusetzen.
Denn Technologie allein reicht nicht aus. Auch das Zusammenspiel zwischen Menschen, Prozessen und Systemen entscheidet darüber, wie effizient und zuverlässig eine Lieferkette funktioniert. Für die Studierenden bot der Besuch deshalb die Gelegenheit, Supply Chain Management nicht als einzelne Disziplin, sondern als vernetztes Gesamtsystem zu betrachten.

Welche Kompetenzen braucht die Logistik der Zukunft?
Mit der Weiterentwicklung von Lieferketten verändern sich auch die Anforderungen an Fach- und Führungskräfte. Neben fundiertem Fachwissen gewinnen insbesondere vernetztes und analytisches Denken an Bedeutung. Supply-Chain-Verantwortliche müssen Daten interpretieren, Prozesse optimieren und digitale Technologien sinnvoll einsetzen können. Gleichzeitig werden Flexibilität, Risikomanagement und Resilienz immer wichtiger. Moderne Lieferketten sollen nicht nur effizient, sondern auch robust und anpassungsfähig sein. Trotz zunehmender Digitalisierung bleibt zudem eine Fähigkeit entscheidend: die Zusammenarbeit mit Menschen aus unterschiedlichen Bereichen und entlang der gesamten Lieferkette.
Spannender Austausch und neue Perspektiven
Nach dem Rundgang liessen die Teilnehmenden den Abend bei einem gemeinsamen Apéro ausklingen. Dabei blieb Zeit für weitere Fragen, persönliche Gespräche und einen offenen Austausch. Besonders erfreulich war das positive Feedback der Studierenden zu den vielfältigen Dienstleistungen und Prozessen der Logistikkönner. Gleichzeitig gab es auch konstruktive Anregungen, beispielsweise zur Verwendung von Papier-Packzetteln bei einzelnen Kommissionierprozessen. Solche Rückmeldungen sind für uns wertvoll. Sie ermöglichen einen Blick von aussen und geben neue Denkanstösse, um bestehende Abläufe weiterzuentwickeln.
Einblicke in die Logistikkompetenz der Region
Auch die regionale Nähe spielt für das BZBS eine wichtige Rolle. Mit Praxisbesuchen möchte die Bildungsinstitution zeigen, welche Unternehmen und Kompetenzen direkt in der Wirtschaftsregion vorhanden sind. Die Logistikkönner bieten dafür ein spannendes Umfeld: Professionelle Logistikprozesse treffen auf moderne Technologien, hohe Anforderungen an Prozesssicherheit und den Anspruch, jeden Tag zuverlässig zu funktionieren.
Der Besuch hat einmal mehr gezeigt, wie wertvoll der Austausch zwischen Ausbildung und Praxis ist. Für uns war es eine Freude, den Studierenden des BZBS einen Blick hinter die Kulissen zu ermöglichen und gleichzeitig von ihren Fragen und Perspektiven zu profitieren.
Vielen Dank an das BZBS, die Studienleitung und alle Teilnehmenden für den spannenden Austausch und den Besuch bei den Logistikkönnern!
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